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 "Und tschüss!" - Utopia-Interview mit Leo Hickman

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Ronald




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BeitragVerfasst am: Mo 09 Jun, 2008 23:41    "Und tschüss!" - Utopia-Interview mit Leo Hickman Antworten mit ZitatNach oben

In seinem neuen Buch "Und tschüss!" nimmt Leo Hickman, Guardian-Redakteur und Autor des Bestsellers "Fast nackt", die Tourismusbranche ins Visier. Mit zynischem Unterton beschreibt er darin die globalen Zusammenhänge und Auswirkungen unserer Reiselust.


Mit welcher Erkenntnis sind Sie von Ihrer Erdumrundung zurückgekehrt?

Tourismus ist eine Industrie, die nahezu unkontrolliert ihr Unwesen treibt. Hotelketten und Reiseunternehmen haben diese Branche gemeinsam in der Hand. Und in den seltensten Fällen gibt es ein Ministerium für Tourismus, das die Landschaftsveränderungen überwacht und die Menschenmassen lenkt oder bremst.


Welcher touristische Schauplatz kommt Ihnen da zuerst in den Sinn?

Die Vereinigten Arabischen Emirate.


Erzählen Sie!

In Dubai existieren Megahotels von nicht zu überbietendem Luxus in Kunstlandschaften, die ins Meer hinaus gebaut werden, mit als Palmen getarnten Mobilfunkmasten, mit einer täglichen Produktion von 30 Tonnen Kunstschnee in einem abgeschlossenen Ski-Center. Die eigentliche Welt wird ausgeblendet. Und gleich nebenan wird die Gewalt gegen Frauen toleriert. Auspeitschen existiert als offizielle Strafe, und unter den Arbeitern herrscht bittere Armut.


Und was ist mit jenen Regionen, von denen es heißt „sie leben vom Tourismus“?

Es gibt Ausnahmen. Bhutan und Costa Rica sind da zu nennen, sie kontrollieren die Invasion. Aber in den meisten Fällen werden die Gewinne zwischen wenigen Auserwählten aufgeteilt, die gar nicht selbst im Reiseland leben. Es hält sich hartnäckig das Klischee, dass sich das Leben der Arbeiter automatisch verbessere, wenn sie eine Stelle in der Tourismusbranche ergattern. Dabei sind viel zu viele Angestellte, vor allem in den so genannten Entwicklungsländern, Lohnsklaven, die sich eine traurige Existenz zusammenkratzen.


Konnten Sie mit einem Lohnsklaven reden?

Ja, in einem 5000-Betten-Hotel in Thailand. Es war mir eigentlich verboten, aber da ich einen Übersetzer bei mir hatte, konnte ich ein Zimmermädchen im Gang ansprechen. Sie erzählte, dass man von ihr verlangt hatte, erst einen Monat umsonst zu arbeiten, bevor sie den Job bekam. Ihr Gehalt betrug etwa 25 Euro im Monat. Sie war 15 Jahre alt und von Heimweh geplagt. Mädchen wie sie sind natürlich gefährdet, in die Falle des Sex-Tourismus zu geraten. Ihr trauriges Gesicht sehe ich noch immer vor mir. Wir sind empört und überrascht, dabei setzen wir selbst diese Prozesse in Gang.


Worin genau liegt unsere Schuld?

Wenn wir immer noch billigere Ferien verlangen, dürfen wir uns nicht wundern, dass am Ferienort gespart wird. Es hat mir fast das Herz gebrochen, zu sehen, unter welchen Bedingungen die Arbeiter im mexikanischen Ferienort Cancún leben mussten. Unser Wunsch nach billiger Wintersonne führt unweigerlich zu niedrigen Löhnen von Kellnern, Zimmermädchen, Gärtnern, Taxifahrern und anderen Bediensteten, die unseren Urlaub erst ermöglichen. Und wir schauen weg, denn wir wollen uns erholen. Wir haben hart für unsere zwei Wochen in der Sonne gearbeitet. Und wir sind nicht in den Urlaub gefahren, um uns Sorgen zu machen.


Quelle und mehr: Utopia.de

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Jutta




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BeitragVerfasst am: So 15 Jun, 2008 09:31    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Die Geiz ist geil Mentalität verursacht nicht nur in der Tourismusbranche die Ausbeutung der Menschen in den Entwicklungsländern. Auch in anderen Dienstleistungsbranchen und Fabriken werden immer mehr Menschen zum Opfer dieser Entwicklung. Da lohnt es sich schon Nordseekrabben um den halben Erdball zu schicken, um diese von, man kann schon von Arbeitssklaven reden, Tagelöhnern verarbeiten zu lassen. Die Globalisierung hat nur Vorteile für das Kapital gebracht. Verlierer sind die sozial Schwachen, was man übrigens auch hier zu Lande feststellen muss.
Da wir hier allerdings über Südostasien diskutieren und letztlich über Laos, lohnt ein Blick auf die Internetseite Umwelzungen http://www.umwaelzung.de/aaktuell.html

Dort werden die Machenschaften großer Unternehmen deutlich, die Arbeit in Lohn-Niedrigländer verlagert haben um ihren Gewinn zu maximieren oder möglichst billig Discountmärkte beliefern zu können und dabei immer noch genug Reibach zu machen. Auch darüber sollte man nachdenken.

Liebe Grüße

Jutta

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Ronald




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BeitragVerfasst am: So 15 Jun, 2008 10:52    Play Fair 2008 - Jakob von Uexküll Antworten mit ZitatNach oben

« Jutta » hat folgendes geschrieben:
Auch in anderen Dienstleistungsbranchen und Fabriken werden immer mehr Menschen zum Opfer dieser Entwicklung.



Dazu passt ganz aktuell auch dieser Bericht:

"Anlässlich des Treffens des Internationalen Olympischen Komitees (IOK/IOC) in London am 12. Juni 2007, veröffentlicht die Kampagne Playfair2008 den Bericht "Keine Medaille für Olympia!". Darin werden massive Arbeitsrechtsverletzungen in chinesischen Fabriken, die Merchandising Produkte wie Taschen, Kopfbedeckungen und Schreibwaren für die Olympischen Spiele in Peking herstellen, aufgedeckt.

Die ArbeiterInnen in den vier untersuchten Fabriken bekommen bis zu 50 % weniger Lohn als vorgeschrieben, sind teilweise unter 12 Jahre und werden dazu gezwungen Zwölfstundenschichten sieben Tage die Wochen zu arbeiten. Dazu kommen gesundheitsgefährdende Bedingungen. Freie Gewerkschaften gibt es in China keine. So können die ArbeiterInnen kaum ihre Rechte einfordern.

"Wir versuchen die Taschen mit dem Olympischem Logo fristgerecht fertig zu stellen, aber wir sind völlig erschöpft! Zum Teufel mit den Olympischen Produkten, ich bin zu müde", sagt ein Arbeiter im Interview zu den PlayFair- 2008 MitarbeiterInnen."


Mitmachen: http://www.inkota.de/olympiaplayfair2008/index.htm



« Jutta » hat folgendes geschrieben:
Die Globalisierung hat nur Vorteile für das Kapital gebracht.



Dazu ist vielleicht diese Buch-Rezension interessant:


Ein weiser Radikaler

Der Begründer des Alternativen Nobelpreises sagt, was wir „unseren Kindern schuldig“ sind.

Von Rupert Neudeck

Er sei nicht Optimist und nicht Pessimist, schreibt der Begründer des Alternativen Nobelpreises Jakob von Uexküll, er sei Possibilist. In einem schmalen, aber inhaltreichen Bändchen kündigt er uns vom Zustand der Welt und dass es möglich ist, sie zu ändern. Er ist jemand in der Nachfolge von Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi, der die Vergeudung unserer Weltressourcen und unserer Gelder anprangert und immer gleich neue gute Ideen hat:

Wir haben jetzt die Wahl, schreibt er:

„Wir können uns gegenseitig umbringen im Kampf um immer knappere Ressourcen, oder wir können mit den nötigen Strukturanpassungen bei uns anfangen“. Jedes Projekt der Hoffnung werde von den globalen Spekulanten milde belächelt: Wer soll das bezahlen? Aber der Papst habe schon gewarnt vor der „besonderen Form der Tyrannei. Dem internationalen Imperialismus des Geldes“.

Die nächsten Generationen können sich nicht mehr Kinder leisten. Auch keine Eltern und Großeltern mehr, da die Renten zu teuer sind. Zu teuer ist auch „Mitmenschlichkeit“. Daher müssen die „Schulden der Armen eingetrieben werden.“ Der Respekt vor dem Leben sei unbezahlbar. Von den 250 Mio. Tieren, die jedes Jahr in Europa aus wirtschaftlichen Gründen hin und hergeschoben werden, kämen 25 Mio. tot an.

Es geht aber um eine kopernikanische Wende. Uexküll hat neue klare Worte, weil mit der Genauigkeit der Sprache fange ja alles an: Wir brauchen nicht mehr „Think Tanks“, wir brauchen „Do Tanks“. Es gäbe keine Alternative zum Primat einer globalen Ethik. Ob die politischen Ziele rechtzeitig dem Primat der Ethik untergeordnet werden, sei eine Machtfrage, die von uns allen abhänge. Er hält es mit einem seiner Alternativen Nobelpreisträger: „Was wir wollen, wird sehr schwierig sein, aber was die Vertreter der herrschenden Ordnung wollen, ist schlicht unmöglich!“ Er nennt die merkwürdigen NGOs, die von den großen Firmen in den USA gegründet werden BINGOs, d.h. „Business Initiated NGOs“.

Er hadert mit den alten ehrwürdigen Gruppen wie den Kirchen, die so wenig bereit sind, radikal für die Menschen und die Kinder zu kämpfen. „Warum haben unsere Kirchen nicht darauf bestanden, dass im biblischen Erlassjahr 2000 die Schulden tatsächlich erlassen wurden?“ Ja, er geht einen Schritt weiter: Warum werden „christlichen“ Politikern (in Deutschland weiß man, wen er meint!) nicht die Exkommunikation angedroht, wenn sie diesem Gebot nicht folgen. Wenn er das im Kreise von Bischöfen und Kardinälen gefordert habe, sei helles Entsetzen die Folge gesehen. Die Kirche, sagte ihm ein Bischof, können nur „von hinten führen“ und müsse warten, bis eine Katastrophe die Menschen in den reichen Ländern aufwecke. Was er damit meine? fragt Uexküll nach. Antwort: Z.B. die „Überflutung Londons.“

Wir mögen den Kalten Krieg gewonnen haben, „aber unser Krieg gegen die Natur kann nicht gewonnen werden“. Deshalb fordert er eine öko-soziale globale Marktwirtschaft und Institutionen, die sie durchsetzen. Finanzieren kann man das mit Abgaben auf Währungsspekulationen und andere Missbräuche unserer Weltordnung. Wenn wir nämlich in dem gemächlichen Tempo so weitermachen bei der Erfüllung der Millenniums Ziele dann werden diese Ziele, wie der ex-Weltbank Präsident Wolfensohn erklärt habe, nicht 2015, sondern 2150 erreicht…

Uexküll hat den World Future Council initiiert, damit wir an unsere Verantwortung erinnert werden. Der Geist der Erneuerung braucht – so zitiert der Autor die große Hannah Arendt - seine eigenen Institutionen“. Die Frage sei immer, wie man den Rahmen des politisch machbaren erweitern kann. Al Gore hätte geklagt, als er Vizepräsident der USA war: Nicht einmal das Minimum dessen, meinte er, was ökologisch notwendig wäre, sei politisch durchzusetzen. Man muss sich keine Sekunde beirren lassen: „Wir brauchen eine tiefgreifende ökologische Steuerreform, um die notwendige Steigerung der Energieeffizienz durchzusetzen.“ Bei den alternativen Energien lobt er das deutsche Energieeinspeisungsgesetz, „weil es weltweit das fortschrittlichste ist“.

Die beste Antwort, so schließt der große Reformer, habe ein kluges junges Mädchen (Anne Frank) geliefert, das sich in Amsterdam vor ihren Nazi Mördern versteckt habe: „Wie wunderbar ist es doch, dass niemand auch nur einen einzigen Augenblick warten muss, bevor man beginnen kann, die Welt zu verbessern.“


Quelle: http://www.gruenhelme.de | Rupert Neudeck 2008


Das Buch bei Amazon: http://www.amazon.de/gp/product/343450611X

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